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Jagdgebrauchshundeverband e.V.      Fédération Cynologique Internationale

Das Wesen des Tollers:

Der Toller ist ein lebhafter, temperamentvoller und bewegungsfreudiger Hund. Toller sind sehr intelligent und gelehrig und benötigen, neben der körperlichen Auslastung, unbedingt auch geistige Forderung und Förderung in Form einer gezielten Ausbildung / Beschäftigung, um glücklich, ausgeglichen und zufrieden zu sein.

Der unmittelbaren Anschluss an sein Menschenrudel als "Familienmitglied" ist für den Toller unabdingbar. Er ist neugierig und möchte am liebsten immer dabei sein - egal, was gerade läuft. Zwingerhaltung kommt daher für den Toller nicht infrage.
So aktiv, schnell und begeistert der typische Toller bei der "Arbeit" ist, so ruhig und unauffällig ist er im Haus - sofern er artgerecht ausgelastet wird. Gerne verfolgt er Zuhause das Geschehen in seiner Familie und entspannt sich dabei total. Dieser "Ausschalter" sollte gerade den typischen Toller ausmachen, so dass er ein sehr angenehmer Hausgenosse ist.

Als ursprünglich für die Wasserjagd gezüchteter Hund liebt der Toller das Wasser sehr und wird es bei jeder Gelegenheit gerne zum Schwimmen und Plantschen aufsuchen! Zur Not tut es auch eine Matschpfütze, in der er sich bei warmem Wetter genüsslich suhlt. Jagdtrieb, im Sinne von "Interesse an Wildfährten" bis hin zu "Wild nachstellen und es verfolgen/hetzen wollen", ist beim Toller grundsätzlich vorhanden, jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Bereitschaft, einen grundsätzlich an Wild interessierten Hund mit freundlicher, aber konsequenter Erziehung zu kontrollieren und im eigenen Einflußbereich zu halten, muß vorhanden sein. Harte Methoden sind hierbei völlig unnötig und unangebracht. Der Jagdtrieb des Tollers ist in der Regel nicht mit dem von z.B. Stöber- oder Vorstehhunden zu vergleichen, die diesbezüglich deutlich anspruchsvoller sind. Mit völliger Gleichgültigkeit gegenüber flüchtendem Wild ist jedoch nicht zu rechnen!

Toller sind auf dem Spaziergang und bei der Arbeit gerne mit vollem Körpereinsatz und ohne Rücksicht auf die Frisur im Gelände unterwegs, weshalb sie am Ende des Ausfluges oft ziemlich schmutzig sein können. Wer einen besonders reinlichen Hund sucht, sollte besser nicht den Toller wählen. Manchmal wälzen Toller sich in für sie sehr wohlriechenden, für die menschliche Nase aber inakzeptabel stinkenden Dingen, weshalb sie gelegentlich auch mal eine Dusche benötigen können.

Toller sind robuste, unempfindliche "Naturburschen", die täglich und bei jedem Wetter ausgedehnt spazieren gehen möchten. Bei Nieselregen und Matschwetter blüht der Retriever allgemein erst so richtig auf! Die meisten Toller begleiten ihr Herrchen oder Frauchen auch gerne beim Joggen, Radfahren, Inline-Skaten oder Wandern. Diese Aktivitäten darf der Toller jedoch erst ausüben, wenn er komplett ausgewachsen ist und seine Gelenke ausgereift sind. Ich empfehle, mit diesen Aktivitäten nicht vor dem Alter von 18 - 24 Monaten langsam zu beginnen.

Der Toller ist feinfühlig und im positiven Sinne sensibel. Schlechte Behandlung sowie Grobheit versteht er nicht, Unbeherrschtheiten vergisst er nicht so einfach. Er reagiert darauf mit Rückzug und Frustration. Die angewandten Ausbildungs- und Erziehungsmethoden müssen daher unbedingt mit der Rasse harmonieren. Lauter Tonfall, Härte und Strafen passen nicht in die Zusammenarbeit mit dem aufmerksamen Toller, der ohnehin gerne stets das richtige tun möchte, und der einfach verstehen möchte, was man von ihm wünscht. Körperliche Einwirkungen und Starkzwangmittel sollten, nicht nur in der Ausbildung des Tollers!, ohnehin indiskutabel und ein Tabu sein. Da der typische Toller sowieso hoch motiviert ist und glücklich ist, wenn er mit seinem Hundeführer etwas tun darf, sind Strenge und Unfreundlichkeit auch gar nicht notwendig. Leise, freundliche Methoden im Sinne der "positiven Bestärkung" sind für den Toller optimal geeignet. Konsequenz, souveränes Führen und eine eindeutig vertretene klare Linie sind jedoch gleichermaßen wichtig und die Grundlage für eine funktionierende Partnerschaft! Clickertraining liebt der Toller sehr und zeigt sich hierbei auch sehr talentiert und schlau. Die Auswahl einer wirklich passenden Hundeschule lohnt unbedingt den Aufwand!

Besonders auffällig am Toller ist seine unglaubliche Aufmerksamkeit. Mit wachem, interessiertem Blick verfolgt er das Geschehen um sich herum. Diese Aufmerksamkeit in Verbindung mit einer großen Sensibilität und "feinen Antenne" macht den Toller zum perfekten Sport- und Arbeitshund als Teampartner mit seinem Menschen, sofern dieser über das entsprechende Fingerspitzengefühl verfügt. Der Toller reagiert auf feinste Körpersprache und leiseste Töne. Mimik und Gestik versteht der Toller extrem gut, was man sehr schnell selber erleben wird, wenn der eigene Toller auf einem selbst völlig unbewusste "Äußerungen" unerwartet reagiert. Mit wacher Intelligenz bewertet der Toller stets, was um ihn herum geschieht.

Speziell im Jugendalter können Toller manchmal sensible Phasen haben und, über kurze Zeiträume, auf neue Reize mit Unsicherheit reagieren. An diesem Punkt ist der souveräne, selbstsichere und gelassene Hundeführer gefragt, der seinen Toller ohne viel Aufhebens durch solche Phasen begleitet und ihm Sicherheit gibt, die nicht durch falsch verstandenes (und völlig kontraproduktives!) "Trösten" vermittelt wird. Aufgrund dieser anspruchsvolleren Entwicklungsphasen, die auftreten können, aber nicht müssen, gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, ob Toller für Hundeanfänger geeignet sind oder eher nicht. Eine gründliche und sorgfältige Sozialisierung ist für den jungen Toller besonders wichtig. Nimmt man seinen kleinen Begleiter von Anfang an einfach überall hin mit und lässt ihn am Alltag Teil haben, so gelingt dies jedoch mühelos und spielerisch ganz nebenbei.

Der Toller muss als Sporthund mit Bedacht und Feingefühl angeleitet werden, da er oft eine so große Begeisterung und "unermüdliche" Leidenschaft für seine "Arbeit" entwickelt, dass er bei falscher Ausbildung die Ruhe verlieren und zu freudig-überdreht werden kann. Seine hohe bis sehr hohe Motivationslage erfordert daher ein gefühlvolles "Management". Wird das richtige Maß aus Motivieren, Spaß haben und arbeiten dürfen, gleichzeitig aber auch gezieltem Herunterfahren, Pausen und Ruhe erlernen nicht eingehalten, kann aus dem begeisterungsfähigem Toller schnell ein überdrehtes Nervenbündel werden. Stupides Bällchenwerfen auf dem Spaziergang, "Hochpushen" am Wasser sowie das Fehlen einer gezielten Ausbildung, die das Köpfchen des Tollers fordert, tragen hierzu stark bei und sollten daher unbedingt vermieden werden.

Wer mit seinem Toller in der Dummyarbeit erfolgreich sein möchte, muß darauf besonders achten, damit der Toller von Anfang an lernt, sich ruhig zu verhalten und seine Begeisterung im Zaum halten zu können. Die "steadiness" (Standruhe) kann mit einem Toller eine größere Herausforderung darstellen als mit anderen Retrieverrassen. Manche Toller neigen zum Fiepen, wenn sie aufgeregt sind und bei der Arbeit anderer Hunde zusehen müssen. Es kann herausfordernder sein, dies gänzlich abzustellen, als es bei manchen anderen Rassen der Fall ist. Mit der richtigen Anleitung von Anfang an kann man jedoch viele unnötige Fehler vermeiden!
Gleichzeitig hat man mit einem typischen Toller andere "Baustellen" nicht, die andere mitunter haben - ein hohes Arbeitstempo, angeborener Apportiertrieb und freudige Motivation zur Zusammenarbeit sollten ihn typischerweise ausmachen. Ich fand die Ausbildung meiner Toller im Dummysport bislang sehr einfach, da sie von selber alles mitbrachten und anboten, was gefragt ist - man musste es nur mit Kommandos belegen.

Tollerfreunde sind in der Regel gerade von der überschäumenden Arbeitsfreude und Lebhaftigkeit dieser Rasse begeistert und schätzen an ihren Tollern das "ganze Paket" - wozu es eben auch gehört, auf manche Dinge in der Ausbildung verstärkt achten zu müssen und allgemein mit etwas mehr Fingerspitzengefühl vorzugehen. Im Gegenzug bekommt man einen Hund, der regelmäßig überall der "Gruppenstreber" ist und die Kurskollegen mit seiner schnellen Auffassungsgabe mühelos abhängt! ;-)

Erwähnt werden sollte auch, dass die meisten Toller keine typischen "Kuschelhunde" sind. Nähe und Körperkontakt lassen sie in der Regel zu, wenn sie müde sind und sich ausruhen, dann schmusen sie auch mal gerne mit ihren vertrauten Bezugspersonen. Als "Ganztags-Knuddelpartner" für Kinder ist der Toller jedoch nicht geeignet, da ihm an permanenter körperlicher Nähe nichts liegt. Er möchte auch nicht laufend angefasst und "begrapscht" werden.
Grundsätzlich sind die meisten Toller nicht scharf darauf, von Fremden angefasst zu werden. Sie sollten es tolerieren, jedoch wird sich der Toller in der Regel, nach einem kurzen, geduldeten Kontakt, wieder aus dem "Griffbereich" der neuen Person entfernen - und klassischerweise ein Alternativangebot machen, was man gemeinsam tun könnte: zum Beispiel mit einem schnell herangetragenen Gegenstand! ;)
Fremden gegenüber sind manche Toller uninteressiert bis distanziert, andere freuen sich begeistert über neue Bekanntschaften. Dieser Wesenszug ist aus meiner Sicht in hohem Maße erblich, und Toller unterscheiden sich in diesem Punkt sehr stark. In jedem Fall ist die Kontaktaufnahme des Tollers mit neuen Personen höflicher und weniger draufgängerisch, als man es von anderen Retrieverrassen kennt, die hierbei mit vollem Körpereinsatz vorgehen. Das gilt übrigens auch für das Zusammentreffen mit anderen Hunden.

Ein leichter Wachtrieb ist in der Regel vorhanden, was sich jedoch meistens darin erschöpft, dass der Toller mit Bellen jemanden an der Tür oder am Zaun meldet. Schutztrieb ist völlig untypisch und von einem Toller nicht zu erwarten.
Mit anderen Hunden ist der Toller, in der Rassegesamtheit gesehen, in der Regel gut verträglich und unkompliziert. Für die Rudelhaltung ist er problemlos geeignet, und er schätzt die Gesellschaft anderer Hunde. An Katzen im Haushalt kann der Toller gewöhnt werden. Toller können ohne Weiteres über einige Stunden des Tages alleine bleiben, wenn sie es behutsam gelernt haben - jedoch nicht den ganzen Tag.
Kinder im Haushalt sollten nach Möglichkeit schon etwas größer sein und sich an Vorgaben und feste Regeln halten können. Allzu großes "Tohuwabohu" und noch ungelenken, grobmotorischen Umgang mit dem Toller wird dieser in der Regel tolerieren, es wird ihn jedoch innerlich stressen - was nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar sein muß. Andere Rassen sind hier möglicherweise passender und haben ein "dickeres Fell".

Aufgrund seiner Intelligenz und Arbeitsfreude ist der Toller als reiner "Familienbegleithund" ohne irgend eine Aufgabe unterfordert und wird sich in diesem Falle eine eigene Beschäftigung suchen. Diese ist dann oft nicht im Sinne des Besitzers!... Für Hundeführer, die sich einen aktiven Teampartner für den Hundesport, die Niederwildjagd, die Rettungshundearbeit oder andere gemeinsame Aufgaben suchen, ist der vielseitige, jederzeit zur Zusammenarbeit bereite Toller eine wunderbar geeignete Rasse, die ganz viel Freude bereitet und einfach Spaß macht! :)

Für konkrete Beschäftigungsmöglichkeiten lesen Sie bitte auch die Seite Beschäftigung


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