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Jagdgebrauchshundeverband e.V.      Fédération Cynologique Internationale

Die Rassegeschichte des Tollers

Das Ursprungsland des Tollers ist Kanada, genauer gesagt: Nova Scotia (Neuschottland), eine große Halbinsel an der kanadischen Ostküste.

Über die Entstehung der Rasse gibt es verschiedene Theorien.
Möglicherweise ist der Toller die einzige unter den sechs Retrieverrassen, welche nicht ursprünglich vom St.-Johns-Dog abstammt. Der St.-Johns-Dog, eine vor rund 500 Jahren an der kanadischen Ostküste entstandene Jagdhunderasse, wurde von Fischern eigens für das unermüdliche Apportieren geschossenen Federwildes aus dem eisigen Wasser, auch bei widrigsten Bedingungen, gezüchtet.
Aus diesem Ur-Apporteur entwickelten sich der Labrador Retriever, der in England weiter entwickelte Flatcoated Retriever, der Golden Retriever, der Chesapeake Bay Retriever sowie der Curly Coated Retriever.

Eine Theorie besagt, dass der Toller von den Hunden der indianischen Ureinwohner Nova Scotias abstammt. Diese Hunde waren ebenfalls klein und rot, fuchsartig, und betrieben das charakteristische "Tolling". Unter "Tolling" versteht man das Anlocken von Enten durch die Hunde, um sie in Schußweite zu bringen. Der Jäger hält sich dabei in Ufernähe versteckt und wirft seinem Hund immer wieder einen Apportiergegenstand. Das flinke, spielerische, hüpfende Auf- und Ablaufen des Hundes am Ufer macht die Enten neugierig. Sie kommen näher, fallen dort ein und sind nun in Schußweite des Jägers. Der Jäger ruft seinen Hund blitzschnell in das Versteck, wo dieser sich ruhig verhalten muß, und kann die Enten schießen. Nun ist es Aufgabe des "Tollers", geschossene Enten aus dem Wasser zu apportieren und seinem Herrn zu bringen.
Die Veranlagung zu dieser "Jagdart" ist dem Toller bis heute zu eigen und hat der Rasse ihren Namen gegeben: Nova Scotia Duck Tolling Retriever, also "Enten anlockende Apportierhunde aus Neuschottland" (to retrieve = apportieren, zurück bringen). Aufgrund dieser indianischen Wurzeln der Rasse geben viele Züchter/innen heute noch ihrem Zwinger und auch den Tollern aus ihrer Zucht indianische Namen.

Da der Toller dafür gezüchtet wurde, auch unter schwierigen Bedingungen aus dem eiskalten Wasser des Atlantik zu apportieren, trägt er sein sehr dichtes, doppeltes Haarkleid. Als sicher gilt, dass im Toller das Blut des niederländischen Kooikerhondje, der für die gleiche Jagdart gezüchtet wurde, sowie des Collies fließt. Einkreuzungen von Settern sowie Jagdspaniels gelten als wahrscheinlich. Aus dem Collie-Erbe sind bei manchen Tollern noch Ansätze eines Hüteverhaltens erkennbar.

Die gezielte Tollerzucht nahm ihre Anfänge in Kanada (Nova Scotia) und in den USA. Bis ca. 1890 hieß der Toller "Little River Duck Dog". Im Ursprungsland des Tollers, Kanada, wurde er auch als erstes unter dem heutigen Namen "Nova Scotia Duck Tolling Retriever" als Rasse anerkannt. Es sollte aber noch fast ein weiteres Jahrhundert dauern, bis der Toller von der Féderation Cynologique Internationale, FCI, international anerkannt wurde - dies geschah erst 1981.

Bekannte Kennelnamen aus früher Zeit sind z.B. Chin-Peek (Hettie Bidewell), Harbourlights (Avery Nickerson), Ardunacres (Arline MacDonald) und Westerleas (Alison Strang). Wenn man sich Stammbäume von Tollern einmal "weiter hinten" ansieht, wird man diese Zwingernamen in fast jedem Toller-Stammbaum finden.

In Mitteleuropa gibt es seit den 1990er-Jahren eine gezielte Tollerzucht. Nete Wunsch importierte Anfang der 1980er Jahre die ersten Hunde aus Kanada nach Dänemark. In den Niederlanden baute Linus Bos sich seine Zucht "van de Echtinger Grift" mit ebenfalls kanadischen Importhunden auf und war einer der Pioniere der Rasse in Europa. Dort gibt es heute einen recht großen Freundeskreis der Rasse und zahlreiche Zuchtstätten. Der erste Toller-Wurf in Deutschland fiel 1996. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Tollerzucht in Deutschland und dem angrenzenden Ausland zunächst langsam, Toller waren sehr selten und in der Retrieverszene noch etwas ganz Spezielles. In den vergangenen 10 Jahren hat es auch in Deutschland eine beachtliche Entwicklung gegeben, die weiterhin Fahrt aufnimmt. Immer neue Zuchtstätten entstehen, wobei unterschiedliche Typen bevorzugt und Schwerpunkte gesetzt werden. Zahlreiche Hunde wurden aus dem Ausland importiert und ermöglichen es, unterschiedliche Zuchtlinien einfließen lassen zu können. In Skandinavien und Dänemark gibt es mittlerweile eine sehr große Anzahl an Tollern und Zuchtstätten, mit dem größten Schwerpunkt in Schweden - hier lebt die größte europäische Tollerpopulation. In der Schweiz legte Elsbeth Wittwer (Kennel "Objibwa´s") 1993 den Grundstein für die Tollerzucht - die meisten schweizer Zuchtstätten gehen ursprünglich auf Hunde aus ihrer Zucht zurück. Elsbeth importierte in den 1990er Jahren drei Tollerhündinnen aus Dänemark und Schweden und baute auf diesen eine Zuchtlinie von hohem Standard auf. Es gelang ihr, in Optik und Wesen einen eigenen, stabilen Typ von hohem Wiedererkennungswert herauszuarbeiten. Sie führte ihre Toller unter anderem sehr erfolgreich auf Field Trials in Frankreich und machte die Rasse in diesem Umfeld bekannt. Ebenfalls auf Field Trials aktiv war der Belgier Robert Gielis mit seinem aus Norwegen importierten Rüden "Copper". Die belgische Zuchtstätte "Copper & Brass" gibt es heute nicht mehr.

Die Tollerzucht in Großbritannien war bis vor Kurzem aufgrund der restriktiven Einfuhrbestimmungen recht abgeschottet, jedoch gibt es auch hier eine größere Zahl an Zuchtstätten. John Norris mit seinem "Decoyman´s"-Kennel stand noch für den ursprünglichen "Decoy Dog", der die oben beschriebene Jagdart praktizierte.
In Schweden, aber auch in Finnland, Norwegen, Kanada und den USA finden alljährlich große "Specialties" statt. Hier kommt eine große Zahl von Tollerbesitzern zusammen, um ihre Toller auf Ausstellungen und Arbeitsprüfungen zu präsentieren und sich miteinander zu messen.

Gemäß ihren Stammbäumen gehen die heutigen Toller auf nur einige wenige Rassebegründer zurück. Man darf jedoch die umfangreichen Einkreuzungen nicht vergessen, die auch nach der Registrierung der ersten Toller noch vorgenommen wurden. Wie sagte eine "Grande Dame" der Tollerzucht: "It´s not all in the books....." ;)
Mit großem Engagement bei der Auswahl der Deckpartner und internationalem Austausch von Zuchttieren gelingt es heute, den kleinen Genpool der Rasse bestmöglich zu managen.
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